Nachhaltigkeitsbericht 2025

Ein roter Linde-Gabelstapler belädt vor einer Werkshalle einen Lkw mit geöffneter Plane, auf dessen Ladefläche rote Transportgestelle stehen.Ein roter Linde-Gabelstapler belädt vor einer Werkshalle einen Lkw mit geöffneter Plane, auf dessen Ladefläche rote Transportgestelle stehen.Ein roter Linde-Gabelstapler belädt vor einer Werkshalle einen Lkw mit geöffneter Plane, auf dessen Ladefläche rote Transportgestelle stehen.

Nachhaltigkeit in der Lieferkette

KION hat die Beschaffung – den sogenannten „Einkauf“ – in einer zentral verwalteten globalen Organisation zusammengefasst, welche die Lieferanten von Linde MH umfasst. Um das Lieferkettenmanagement nachhaltig zu gestalten, sind eine geeignete Governance-Struktur, eine hohe Prozessstandardisierung, eine verlässliche Datenqualität sowie angemessene und operativ umsetzbare Richtlinien erforderlich, die für jede geschäftliche und rechtliche Einheit von Linde MH gelten. Dies wird durch eine zentrale Lieferanten-Nachhaltigkeitsabteilung von KION sichergestellt, die über alle Organisationseinheiten hinweg die Verantwortung trägt.

Das Lieferanten-Nachhaltigkeitsprogramm ist in die KION-Nachhaltigkeitsstrategie eingebettet und misst die Effektivität der Aktivitäten anhand von KPIs. Die zentrale Einkaufsorganisation gestaltet und steuert den Material- und Informationsfluss des gesamten Wertschöpfungsprozesses somit nicht nur auf Basis wirtschaftlicher Kriterien, sondern berücksichtigt auch Nachhaltigkeitsaspekte. Über die nachhaltige Ressourcennutzung der Zukaufteile und eingekauften Dienstleistungen hinaus strebt Linde MH an, dass die Bestandteile der Wertschöpfungskette bestimmten Standards im Hinblick auf Menschenwürde, Arbeitsbedingungen und Umweltverträglichkeit entsprechen. Hierfür hat KION ein Informations- und Analysesystem eingerichtet, das für das effektive Lieferkettenmanagement relevante Daten und Informationen mit Blick auf die wichtigsten Einkaufs- und Materialposten erfasst.

Grundsätze des Lieferantenverhaltens

Der Konzern hat im KION Group Code of Compliance und im Verhaltenskodex für Lieferanten spezifische Vorgaben und Verhaltensregeln zur verantwortungsvollen Beschaffung festgehalten und verpflichtet seine Lieferanten, diese bei Geschäftsabschlüssen mit Unternehmen der Linde MH zu beachten. Der Verhaltenskodex für Lieferanten enthält klare ökologische und ethische Leitlinien im Hinblick auf Umwelt-, Arbeits- sowie Menschenrechts­standards und liegt entsprechend in den wichtigsten Beschaffungsmärkten in mehreren Sprachen vor.

Die Allgemeinen Einkaufsbedingungen von KION sowie individuell vereinbarte Verträge geben zudem detailliert vor, wie Verpflichtungen, geltende Gesetze und der Verhaltenskodex für Lieferanten von KION einzuhalten sind und wie die Transparenz in der gesamten Lieferkette sicherzustellen ist. Alle diese konzernweiten Regelungen sind selbstverständlich für KION insgesamt mit allen Rechtseinheiten der Linde MH verbindlich und werden regelmäßig auf ihre Aktualität und Vollständigkeit überprüft.

ESG-Lieferanten­risikomanagementprozess

Um die Nachhaltigkeitsrisiken und -leistungen der wichtigsten Lieferanten objektiv und belastbar zu bewerten, hat KION einen ESG-Bewertungsprozess (Environmental, Social, Governance) eingeführt, welcher die SaaS-Plattformen (Software as a Service) von EcoVadis und IntegrityNext nutzt. Seit 2022 unterzieht KION alle Lieferanten – unabhängig vom Umsatz oder dem gelieferten Produkt – einer Branchen- und Länderrisikoanalyse mithilfe der Plattform „IQ“ von EcoVadis, um ihr nachhaltigkeitsbezogenes Risikoprofil zu ermitteln.

Mithilfe dieses mehrstufigen Ansatzes wird die Einhaltung spezifischer Standards durch die Lieferanten in den Bereichen HSE, Korruptions- und Bestechungsbekämpfung sowie Überwachung der vorgelagerten Lieferketten validiert. Im Fokus stehen hier die Einhaltung von Menschenrechten, Arbeitnehmerrechten und Beschäftigungsstandards. Die KION GROUP AG erfüllt damit gesetzliche Anforderungen, wie das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, aber auch Gesetze wie den UK Modern Slavery Act oder den Canadian Modern Slavery Act. Das System ist flexibel ausgelegt und lässt sich an veränderte Anforderungen anpassen.

Prozentsatz der direkten Beschaffungsausgaben von Linde MH von sogenannten Tier-1-Lieferanten, die von der globalen ESG-Risikobewertung (EcoVadis IQ) abgedeckt werden

Das Balkendiagramm zeigt den Prozentsatz der direkten Beschaffungsausgaben von Linde MH von sogenannten Tier-1-Lieferanten, die von der globalen ESG-Risikobewertung (EcoVadis IQ) abgedeckt werden über einen Dreijahresverlauf von 2023 bis 2025: 2023: 90 Prozent, 2024: 98 Prozent, 2025: 99 Prozent.

Darauf aufbauend wird eine individuelle Lieferantenselbstauskunft über die Plattformen IntegrityNext und EcoVadis eingeholt. Mithilfe von Fragebögen zur Selbstbeurteilung wird dabei der Reifegrad der Lieferanten in Bezug auf die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten sowie Umweltschutz ermittelt. Diese Bewertung wird für strategische Lieferanten (A-Lieferanten) sowie für die im ersten Schritt als Hochrisiko-Lieferanten identifizierten Geschäftspartner durchgeführt. Wenn Lieferanten sich für die Bewertung über EcoVadis entscheiden, führt der Anbieter eine unabhängige Verifizierung der Antworten durch.

Prozentsatz der direkten Beschaffungsausgaben von Linde MH von sogenannten Tier-1-A-Lieferanten, die von einer individuellen Risikobewertung (EcoVadis oder IntegrityNext) abgedeckt werden

Das Balkendiagramm zeigt den Prozentsatz der direkten Beschaffungsausgaben von Linde MH von sogenannten Tier-1-A-Lieferanten, die von einer individuellen Risikobewertung (EcoVadis oder IntegrityNext) abgedeckt werden über einen Dreijahresverlauf von 2023 bis 2025: 2023: 69 Prozent, 2024: 98 Prozent, 2025: 97 Prozent.

Im Ergebnis wird für jeden Lieferanten ein individuelles Risiko ermittelt, anhand dessen die Lieferanten in eine der drei folgenden Kategorien eingeteilt werden: „geringe ESG-Risiken“, „mögliche ESG-Risiken bis zu einem gewissen Grad“ oder „hohe ESG-Risiken“. Anschließend werden Lieferanten mit bestehendem Risiko entsprechend der Schwere und Eintrittswahrscheinlichkeit eines möglichen Risikos priorisiert. Auf Basis dieser Priorisierung werden Lieferanten angesprochen, um individuell sogenannte Korrekturmaßnahmen durchzuführen. Diese Maßnahmen werden basierend auf dem bestehenden Risiko sowie dem Kenntnisstand der Lieferanten definiert und können Lieferantenaudits, Korrekturmaßnahmenpläne, Lieferantentrainings, individuelle Gespräche, verschiedene Zertifizierungen oder weitere Maßnahmen umfassen. Im Idealfall verringern die Korrekturmaßnahmen das Risiko einer Rechteverletzung.

Anzahl der Lieferanten von Linde MH, die eine Korrekturmaßnahme erhalten haben1

Das Liniendiagramm zeigt die Anzahl der Lieferanten von Linde MH, die eine Korrekturmaßnahme erhalten haben über einen Dreijahresverlauf von 2023 bis 2025: 2023: 5 , 2024: 136 , 2025: 332. Korrekturmaßnahmen beinhalten alle Arten von Maßnahmen, einschließlich Trainings.
1 Korrekturmaßnahmen beinhalten alle Arten von Maßnahmen, einschließlich Trainings

Sollte ein Lieferant beim ESG-Risikomanagementprozess die Zusammenarbeit verweigern, keine Informationen bereitstellen oder Initiativen verhindern, wird ein Eskalationsprozess gemäß den Vorgaben von KION eingeleitet. Linde MH verfolgt den Ansatz, möglichst kooperativ mit den Lieferanten zusammenzuarbeiten, Wissenslücken zu beseitigen und Unterstützungsangebote zu machen. Letztlich räumt sich Linde MH das Recht ein, eine Geschäftsbeziehung zu beenden, wenn ein Lieferant die Zusammenarbeit im ESG-Risikomanagementprozess dauerhaft verweigert.

Die Ergebnisse der Lieferantenbewertung fließen in verschiedene Einkaufsprozesse ein – darunter Vergabeentscheidungen ab bestimmten Volumina, Materialgruppenstrategien sowie die Lieferantenentwicklung. Im Rahmen des strategischen Handlungsfelds „Supply chain“ finden sie ebenfalls Berücksichtigung in den konzernweiten Nachhaltigkeitszielen, die unter „Führende Ziele“ zu finden sind.

Neue Lieferanten werden im Rahmen des Lieferanteneinführungsprozesses zu ihrer Nachhaltigkeitsbewertung befragt und durchlaufen das ESG-Bewertungsprogramm. Bestandslieferanten werden fortlaufend überprüft. Mithilfe dieser Ansätze kann Linde MH die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Lieferanten transparent nachvollziehen und Risiken sowie Chancen in Bezug auf die Nachhaltigkeit der Lieferketten gezielt steuern.

Umweltbezogene Produktanforderungen

Bereits seit 2022 werden systematisch Daten über die Einhaltung von Umweltproduktanforderungen bei Lieferanten mithilfe des Softwareanbieters Assent erhoben. Der Fokus liegt derzeit auf der Operating Unit ITS EMEA, zu der auch Linde MH gehört. Das Programm erfasst Compliance-Daten zu besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC/Substances of Very High Concern) gemäß Artikel 33 der europäischen REACH-Verordnung, zur Beschränkung gefährlicher Stoffe gemäß EU-RoHS-Richtlinie, zu Chemikalien gemäß dem Toxic Substances Control Act (US-TSCA), zu Artikel 9 der europäischen Waste Framework Directive (WFD), zu kritischen Rohstoffen gemäß EU-Verordnung 2024/1252 sowie zu persistenten organischen Schadstoffen (Persistent Organic Pollutants, POPs) und per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Die Wirksamkeit des Programms wird anhand der Lieferanten-Rücklaufquote sowie des von Assent bereitgestellten Lieferanten-Feedback-Berichts überwacht, der der Einkaufsorganisation als Grundlage für Nachverfolgungsmaßnahmen dient. Die Berichterstattung erfolgt über den Konzern-Nachhaltigkeitsbericht im Geschäftsbericht.

Emissionstransparenz in der Lieferkette

Mit der Verpflichtung von KION, bis 2050 das Net-Zero-Ziel gemäß SBTi-Standard zu erreichen, ist auch die kontinuierliche Reduktion der CO2-Emissionen innerhalb der Lieferketten zu einem verbindlichen Ziel geworden. CO2-Reduktions-Anforderungen fließen seitdem in die taktische Gestaltung der Lieferkette ein. Um die eigenen Klimaziele in der vorgelagerten Wertschöpfungskette (Scope 3.1) zu erreichen, werden ausgewählte Geschäftspartner zur Erfassung von Emissionsdaten und zur Ausarbeitung von Reduktionsplänen motiviert und befähigt. Mithilfe externer Unterstützung wurde ein Projekt aufgesetzt, das einen ganzheitlichen Ansatz zur Messung und Reduktion von CO2-Emissionen in der Lieferkette sowie zur Einbindung dieser Themen in die Einkaufsprozesse zum Ziel hat.

Die Berechnung für Scope-3.1-Emissionen erfolgt derzeit noch auf Basis von Umsatz- und Emissionsdurchschnittswerten. Im Jahr 2025 wurden die im Projekt entwickelten Konzepte weiter erprobt und vertieft. Strategische Lieferanten wurden mithilfe standardisierter Fragebögen kontaktiert, um deren Kenntnisstand zur CO2-Berechnung, zu Dekarbonisierungsplänen und zu Reduktionszielen zu erfassen. Lagen bereits Primärdaten von Lieferanten oder produktbezogene Berechnungen vor, wurden diese zum Anlass genommen, individuell über Ergebnisse, Dekarbonisierungspläne und bestehende Hemmnisse zu sprechen. Bei Bedarf wurden den Lieferanten gezielte Unterstützungsangebote unterbreitet – darunter Online-Trainings und technische Fachdiskussionen. Durch die schrittweise Befähigung der Lieferanten strebt Linde MH langfristig an, die Berechnung überwiegend auf Primärdaten zu stützen.

Schulungen von Mitarbeitenden und Lieferanten

KION hat verschiedene Schulungen entwickelt, um die eigenen Mitarbeitenden zu den Themen Menschenrechte und Umweltschutz in der Lieferkette zu schulen. Mit dieser Maßnahme möchte der Konzern seine Mitarbeitenden dahingehend sensibilisieren, welchen Beitrag sie zur Einhaltung von Menschenrechten, Arbeitsrechten und Beschäftigungsstandards sowie zum Umweltschutz in der Lieferkette leisten können. Weitere Schulungen umfassen die Umweltproduktanforderungen und generelle Hintergründe zum Nachhaltigkeitsprogramm von KION.

Darüber hinaus wurden mehrere themenspezifische Schulungen eigens für Lieferanten entwickelt. Diese vermitteln, warum Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt, welche Anforderungen KION aktuell an Lieferanten stellt und welche Hintergründe diesen zugrunde liegen. Die Schulungen stehen auf der Website von KION zur Verfügung und wurden in Englisch sowie mit chinesischen Untertiteln erstellt. Außerdem werden sie bei Bedarf über das Sourcing-Portal gezielt an Lieferanten versendet.

Prozentsatz der Einkäufer von Linde MH, die mind. eine Schulung zu Nachhaltigkeit in der Lieferkette erhalten haben1

Das Donut-Diagramm zeigt den Prozentsatz der Einkäufer von Linde MH, die mindestens eine Schulung zu Nachhaltigkeit in der Lieferkette erhalten haben über einen Dreijahresverlauf von 2023 bis 2025: 2023: 84 Prozent, 2024: 90 Prozent, 2025: 84 Prozent. Die Werte basieren auf der Beschäftigtenanzahl zum Geschäftsjahresende am 31.12.
1 basierend auf der Beschäftigtenzahl zum Geschäftsjahresende am 31.12.

Anzahl der Lieferanten von Linde MH, die mind. eine Schulung zu Nachhaltigkeit in der Lieferkette erhalten haben

Das Balkendiagramm zeigt die Anzahl der Lieferanten von Linde MH, die mind. eine Schulung zu Nachhaltigkeit in der Lieferkette erhalten haben über einen Dreijahresverlauf von 2023 bis 2025: 2023: 3 , 2024: 105 , 2025: 293.

Konfliktmineralien und kritische Mineralien

Im Berichtsjahr 2025 wurde der Konfliktmineralstandard von KION durch den Standard für verantwortungsvolle Mineralstoffbeschaffung abgelöst. Beide orientieren sich an dem Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD) sowie an weiteren einschlägigen Richtlinien und Regulierungen. Der Standard für verantwortungsvolle Mineralstoffbeschaffung stellt insofern eine Weiterentwicklung dar, als er nicht nur die Konfliktmineralien Zinn, Tantal, Wolfram und Gold, sondern auch weitere kritische Mineralien wie Kobalt, Glimmer (Mica), Kupfer, natürliches Grafit, Nickel und Lithium einbezieht. Damit verfolgt er einen ganzheitlichen Ansatz für eine verantwortungsvolle Beschaffung kritischer Mineralien und schafft zugleich eine klare Governance-Struktur für dieses Themengebiet.

Für das Berichtsjahr hat KION darüber hinaus erstmalig einen Due Diligence Report veröffentlicht, der ebenfalls auf der Website einsehbar ist und das Vorgehen sowie die Ergebnisse im Detail erläutert. Er beschreibt, wie KION mithilfe des Plattformanbieters Assent anhand von Vorlagen – dem sogenannten Extended Minerals Reporting Template (EMRT) sowie dem Conflict Minerals Reporting Template (CMRT) – der Responsible Minerals Initiative (RMI) Lieferanten von Linde MH zu ihren Vorlieferanten, Ursprungsländern der Mineralien, Minen, Schmelzen und Raffinerien befragt. Im Jahr 2025 lagen für 57 Prozent der Lieferanten von Linde MH entsprechende Informationen zu Konfliktmineralen (z. B. CMRT) vor. Die Angaben der Lieferanten werden hinsichtlich potenzieller Menschenrechtsverletzungen und eines möglichen Beitrags zu bewaffneten Konflikten bewertet und auf entsprechende Risiken geprüft.

Darüber hinaus wird jährlich an einer von Assent koordinierten Industrieinitiative teilgenommen, im Rahmen derer Schmelzwerke und Raffinerien gezielt dazu aufgefordert werden, sich durch branchenweit anerkannte Auditierungsprogramme bewerten zu lassen.